Zentrales
Thema im Werk von Philipp Messner ist die Hinterfragung der menschlichen
Wahrnehmung, im Speziellen der Aspekt unserer Erwartungshaltung angesichts
dessen, was wir sehen. Die Zusammenhänge zwischen der künstlerischen
Suche Philipp Messners und den Verfahrensweisen des Neokonzeptualismus
sind dabei eindeutig und gleichzeitig verschwommen. Auf diesem gesetzten,
aber beständigen Schwingen beruht die zutiefst dynamische Satzung
seiner Werke und Installationen.
Die vom Künstler verwendeten Materialien und Herstellungsprozesse
verweisen auf die Minimal Art und auf ihre „industrielle“ Ästhetik,
die formale Grammatik ist auf einfache Formen reduziert.
In die visuelle Unmittelbarkeit seiner Arbeiten wird ein Element des
ständigen Destrukturierens und Erleichterns des Bildes eingeführt:
dieses kommt einerseits auf der Ebene des Zerlegens und dreidimensionalen
Wiederzusammenfügens zustande – dabei ist auch die Lageveränderung
und Neuzusammensetzung der sich ergebenden Elemente vorgesehen. Zum anderen
wird die Verwendung der Spiegelung bzw. des Widerscheins (wie im Werk „Parkettierung“,
2008), die der flachen und zweidimensionalen Oberfläche jene perzeptorische
und bildschöpferische Virtualität verleihen, zum Element der
Verknüpfung und des „In-die-Perspektive-Setzens“ zwischen
Werk, Betrachter und Ausstellungsraum.
Die Beziehungen zwischen Messner und der Tradition der Konzeptkunst
sind gekennzeichnet durch eine geduldige und bewusste Destillation von
Experimenten, die unter anderem auch der Kinetischen Kunst und der Arte
Povera zurechenbar sind, und zugleich durch ein Interesse für die
angewandte Kunst, das Design, die Architektur als Ausdrücke einer
Planungskultur, die imstande ist, mittels des empirischen Raumes des
Werkes den realen und symbolischen Raum unserer Erfahrungen und Überzeugungen
zu hinterfragen und umzukrempeln.
Es ist das Moment der gegenseitigen Beeinflussung unterschiedlicher
Medien, welches das Œuvre von Christine Moldrickx bestimmt. Nicht
die oppositionelle Komponente ist hier von Bedeutung, sondern der Prozess
des ineinander Übergehens: Das, was in dem einen Medium war, setzt
sich mit den Gesetzmäßigkeiten des hinzugefügten fort,
ohne dabei seinen Ursprung und seine Eigenart zu verleugnen. Aus verschiedenen
(Bild-)Trägern entwickeln sich so neue, irritierende Gebilde.
Die in der Galerie Bernd Kugler präsentierten Arbeiten könnten
als Darstellungen begriffen werden, deren oszillierender Charakter jeweils
auf ihre Überführung in eine neue Realität verweist.
Die Fotoarbeiten („ohne Titel“, 2008) stellen eine Kombination
aus Schwarzweiß-Fotografien mit farbigen Bunt- und Bleistiftzeichnungen
dar. Die Aufnahmen zeigen Innenräume: ein Zimmer, einen Treppenbereich
und einen Blick aus einem Raum in einen Garten. Unterschiedliche und
gebrochene Perspektiven, durch deren Rahmung getrennt, schließen
sich zum fragmentierten Abbild eines Wohnhauses zusammen. In die Lichtbilder
eingesetzt, sind die Visualisierungen auf Papier. Jene können als
gestisch-malerische Abstraktionen aus wolkenartigen Schattierungen verstanden
werden, die sich wuchernd über das Blatt ausbreiten und empirisch-rational
betrachtet, keinen direkten Bezug zum in der Fotografie Gezeigten herstellen
lassen. Vielmehr erweitern sie den abgelichteten Bereich in einen imaginären
Bildraum. So lassen sich
mögliche Korrespondenzen herstellen, wenn etwa eine grünfarbige
Form den Blick in den Garten überlagert und die zeichnerischen Bewegungen
auf dem Papier den Blättern von Büschen und Bäumen im
Freien zu entsprechen scheinen.
Moldrickx verbindet hier die heterogenen Darstellungsweisen Fotografie
und abstrakte Zeichnung in sich überdeckenden und assoziativ ergänzenden
Ebenen.
In kleinformatigen Bildern aus dem Jahr 2009 verwendet Christine Moldrickx
vorgefundene Abbildungen aus einem Katalog der Künstlerin Sigrid
Kopfermann, welcher im Jahr 2003 anlässlich ihres 80. Geburtstages
erschienen ist. Der Anstoß für die Arbeiten war die Auszeichnung
des Förderpreises der Kopfermann-Fuhrmann-Stiftung an Moldrickx
(2009). Die Abbildungen des Kataloges wurden zunächst, leicht vergrößert,
mittels Tintenstrahldruck auf die ursprünglichen Trägermaterialien
Leinwand und Papier übertragen. Dadurch wurden jene wieder näher
an ihre ursprüngliche Stofflichkeit geführt. Die Abbildungen
sind mit einer durchsichtigen Acrylfarbe überarbeitet, wobei der
Pinselduktus die, durch die Drucktechnik repräsentierte Malerei
imitiert: „In meinem abgegrenzten Feld konnte ich dadurch wie in
einem Spiel kurzzeitig die Rolle der Malerin übernehmen, ohne mit
meinen Pinselspuren ihre Malerei zu überdecken.“ (Christine
Moldrickx) Das imaginativ Abstrakte und das real Existierende bzw. Dargestellte
koexistieren hier in einer grundlegenden Verschiedenheit. Aber gerade
diese Divergenz macht das Eine im Anderen erschließbar und umgekehrt.
Auch hier geht es wieder um eine Art Fortsetzung unter veränderten
Bedingungen.
Durch eine Lücke im Denk- und Wahrnehmungsprozess entwickelt auch
diese Arbeit Raum für Imagination und Interpretation. |
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The
correlations between Philipp Messner’s artistic quest and the methods
of Neo-Conceptualism are clear and, at the same time, blurred. It is
in these established but continuous oscillations that the extremely dynamic
rules of his works and installations are anchored.
The materials and production processes employed by the artist allude
to Minimal Art and its “industrial” aesthetics; formal grammar
is reduced to elementary forms.
An element of constant de-structuring and disburdening of the picture
is introduced into the visual immediateness of his works. This occurs,
on the one hand, on the level of dismantling and three-dimensional re-assembling
- the change of position and re-organisation of the resulting elements
is also intended here. On the other hand, the use of mirroring and reflection
(as in his work “Parkettierung”, 2008), which lends a perceptual
and creative virtuality to the flat, two-dimensional surface, becomes
an element of “putting-into-perspective”, a linking element
between the piece of work, the observer and the exhibition room. The
recipient’s role in this regard is a fluid one, that of an active
transmitter. Without assuming any particular position beforehand, the
recipients become integrated into a constantly changing relationship
which determines their perception and which they, in turn, co-influence
with their physical movements and intellectual projections.
The relations between Messner and the tradition of Conceptual Art are
characterised by a patient and deliberate distillation of experiments
which, in addition, are attributable to Kinetic Art and Arte Povera among
others, and, at the same time, by an interest in applied art, design
and architecture as expressions of a culture of planning which is, by
means of the empirical space of the work, capable of questioning and
radically changing the real and symbolic space of our experience and
our beliefs.
It is the concept of mutual influence of
diverse media which shapes Christine Moldrickx’s oeuvre. It is
not the components of opposition that are relevant here, but rather the
process of merging – that which belonged to one medium, continues
within the laws of that which has been added without, however, denying
its origin and its uniqueness. New, unsettling creations thus develop
out of various (image-) carriers.
The works on display in Galerie Bernd Kugler can be considered as representations,
the oscillatory nature of which alludes to their respective transportation
into a new reality.
The pictures (“untitled”, 2008), portrays black
and white photographs combined with coloured crayon and pencil drawings.
The photographs show interior spaces – a room, a stairwell and
a view from a room of a garden. Separated from each other by their framing,
dissimilar and broken perspectives come together to create a fragmented
image of a house. The visualisations, drawn on paper, are arranged within
the photographs. These can be understood as gestural-pictorial abstractions
of cloud-like traces which proliferate over the paper and, from an empirical-rational
point of view, have no direct connection with what is depicted in the
photographs. Rather, they broaden the area covered by the photographs
into an imaginary pictorial space. In this way, potential correlations
can be drawn up, for example when a green coloured shape overlaps the
view of the garden, and the graphic movements on the paper seem to reflect
the leaves on the bushes and trees outside.
Here, Moldrickx blends the heterogeneous presentation techniques - photography
and abstract drawing - in overlapping and associatively complementary levels.
In small-format pictures from 2009, Christine Moldrickx uses images
from the artist Sigrid Kopfermann taken from a catalogue published in
2003 to commemorate Kopfermann’s 80th birthday. The impetus behind
her works was the Kopfermann-Fuhrmann endowment prize, which was awarded
to Moldrickx in 2009. The slightly enlarged catalogue images were firstly
transferred onto their original carrier materials - canvas and paper
- by means of ink-jet printing. By doing so, they were brought closer
to their original materiality. The images are brushed over with a transparent
acrylic, whereby the brush strokes imitate those of the painting itself
which is represented by the printed image. “Within my limited field,
I was able, in a game-like way, to adopt the role of the painter for
a short time, without my brush strokes actually covering over hers.” (Christine
Moldrickx) The imaginative abstract and what really exists or what is
being presented co-exist here in a fundamental dissimilarity. But it
is precisely this discrepancy that makes one accessible within the other
and vice-versa. Here too, it involves a kind of continuance under altered
conditions. By means of a gap in the thought and perceptual process,
this work too generates room for imagination and interpretation. |